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Erziehung ist Leben und setzt Leben voraus.

Adolph Kolping (1813-1865)

Die trägereigene Bildungskonzeption und Pädagogik des Kolping-Bildungswerk Württemberg e.V. ist Grundlage für alle Kolping Kitas. Diese Bildungskonzeption wurde gemeinsam mit Herrn Prof. Dr. mult. Wassilios E. Fthenakis, Professor für Entwicklungspsychologie und Anthropologie, sowie Herrn Prof. Dr. Wolfgang Schuster, Vorsitzender Deutsche Telekom Stiftung, speziell für die Einrichtungen im Kolping-Bildungswerk Württemberg e.V. entwickelt. Nachfolgend 10 Grundsätze der Kolping Pädagogik, die in all unseren Kindertageseinrichtungen Ausgangspunkt für die jeweiligen Hauskonzepte sind.

 

  1. Im Mittelpunkt der Bildungsbemühungen steht stets der Mensch, vom Kleinkind bis zum Senior. Und nicht die Bildungsinstitutionen.

Die Kolping Pädagogik betrachtet jeden Einzelnen, ob Kind, Jugendlicher oder Erwachsener, als einen kompetenten Lernenden. Ihm gilt es angemessen und seiner individuellen Entwicklung gemäß gerecht zu werden. Jeder von uns ist – von Geburt an – in soziale Beziehungen eingebettet. Daher ist der Bildungsprozess auch als sozialer Prozess zu begreifen und entsprechend zu gestalten. Aktiv, ko-konstruktiv, in Interaktion mit anderen Kindern, mit den Eltern, den Erzieher/innen, Lehrer/innen, Mitarbeiter/innen sowie weiteren Personen.

 

  1. Jeder Mensch hat als einzigartige Persönlichkeit das Recht auf Bildung. Das gebieten die UN-Menschenrechts- und Kinderrechtskonvention – und das christliche Menschenbild.

Die Kolping Pädagogik legt ein christliches Menschenbild zugrunde, das sich ebenso in der UN-Menschenrechts- und UN-Kinderrechtskonvention wie im Grundgesetz und der Verfassung des Landes Baden-Württemberg wiederfindet. Dieses christliche Menschenbild ist Orientierungsrahmen für Bildung und Erziehung, beginnend in Kindergärten, fortgeführt an allgemein bildenden und beruflichen Schulen, Hochschulen und Weiterbildungseinrichtungen.

 

  1. Ganzheitlich organisierte Bildungsangebote stärken von Anfang an persönliche Entwicklung und Kompetenzen – während aller Phasen der individuellen Lern- und Bildungsbiographie.

Nach Adolph Kolping eignet sich der Mensch „im Bildungsprozess emotionale, moralische, soziale und kognitive Kompetenzen“ an. Die Kolping Pädagogik vermittelt daher mehr als Wissen: Sie stärkt über alle Bildungsstufen hinweg persönliche Entwicklung und Kompetenzen mit einem ganzheitlichen Ansatz. Ganzheitlich steht dabei für das Vermitteln aller Kompetenzen an allen Bildungsorten. Erklärtes Ziel ist es, in jedem einzelnen Bildungsbereich möglichst viele dieser Kompetenzen zu fördern – die des Individuums, des Handelns im sozialen Kontext, des methodischen Lernens, des Umgangs mit Veränderungen und Belastungen.

 

  1. Bildung befähigt, sich an Werten zu orientieren – für soziales Engagement und den verantwortungsvollen Umgang mit der Schöpfung.

Wesentliches Merkmal der Kolping Pädagogik ist die Werte-Orientierung: Der Mensch ist ein soziales Wesen, er trägt für sich selbst wie für seine Mitmenschen und seine Umwelt Verantwortung, er handelt sozial und dies ehrenamtlich und freiwillig. Die Kolping Pädagogik will individuelle und soziale Ungerechtigkeit ebenso verhindern wie Benachteiligung und Diskriminierung – sei es aus ethnischen, religiösen oder sozialen Gründen. Zugleich hilft die Kolping Pädagogik, jedem Menschen faire Bildungschancen zu eröffnen. Deshalb wird im Rahmen der zu stärkenden Kompetenzen die Fähigkeit, im sozialen Kontext zu handeln, in besonderer Weise herausgehoben und verbunden.

 

  1. Vielfalt wird als Bereicherung geschätzt. Deshalb interagieren Kolping Bildungsprozesse mit sozialer Herkunft und Lernerfolg – und wirken inklusiv.

Adolph Kolping stellt den einzelnen Menschen in den Mittelpunkt und schafft so die Grundlage für das Wertschätzen von Diversität. Die Kolping Pädagogik reflektiert diese Vielfalt, die sich aus dem Geschlecht, aus dem kulturellen, ethnischen und sozialen Hintergrund sowie aus den besonderen Bedürfnissen des Individuums ergibt. Sie betrachtet Vielfalt als Chance, sie schätzt die Sprache und Kultur von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit Migrationshintergrund wert. Als Ausdruck einer Willkommenskultur beziehen die Bildungs-angebote Diversität bewusst ein, lassen jede und jeden am Bildungsgeschehen teilnehmen. Damit wirken sie inklusiv und tragen wesentlich zu individueller Gerechtigkeit bei.

 

  1. Mittels bewährter wie neuer didaktisch-pädagogischer Ansätze gelingt es, Bildung als gemeinsamen Prozess zu begreifen – und zu leben.

Die Kolping Pädagogik geht davon aus, dass alle – Kinder, Jugendliche, Erwachsene – unterschiedliche Lernstile und Lerntempi aufweisen. Deshalb ist ein individualisierter Lernprozess die Voraussetzung für Lernerfolg und Bildungsgerechtigkeit. Die Beziehung zu den Erzieher/innen, Lehrer/innen und weiteren Fachkräften ist bei den drei methodisch-didaktischen Ansätzen, die die Kolping Pädagogik verfolgt, besonders wichtig: das von den Fachkräften initiierte Lernen, das selbstgesteuerte Lernen und vor allem die Ko-Konstruktion, das Lernen durch Zusammenarbeit, das alle in diesem gemeinsamen Lernprozess als Partner sieht.

 

  1. Formale und non-formale Lernorte wirken zusammen.

Jede und jeder kann sich aus der stetig wachsenden Flut an Informationen, die das Internet bereit stellt, bedienen – das Vermitteln von Wissen allein reicht als Begründung für ein Bildungssystem also nicht mehr aus. Da die Kolping Pädagogik die individuelle Entwicklungs- und Lernbiographie in den Mittelpunkt stellt, ist es erforderlich, neben formalen Lernorten wie Kindergarten oder Schule auch alle non-formalen mit einzubeziehen, die zur persönlichen Entwicklung beitragen. Besondere Bedeutung hat dabei die Familie, sie ist wichtigster non-formaler Bildungsort für Kinder und Jugendliche. Dazu gehören auch Bildungspartnerschaften zwischen Eltern, Erzieher/innen, Lehrer/innen. Diese sollten von einer ko-konstruktiven Haltung aller Beteiligten geprägt sein, von gegenseitiger Wertschätzung und von der Bereitschaft, sich auf einen Dialog einzulassen. Dieser Dialog bezieht die unterschiedlichen Perspektiven ein und nutzt sie systematisch, um Bildungsbiographien zu stärken.

 

  1. Neue Informations- und Kommunikationstechnologien: Das Lernen in Netzwerken lernen.

Die Kolping Pädagogik sieht das Einbeziehen und Integrieren des virtuellen Bildungsraums durch neue Technologien als wesentliche Erweiterung der Lernumgebung. Kinder und Jugendliche sind heute digital natives, die ganz selbstverständlich die verschiedenen Formen der Medien nutzen. Umso wichtiger ist eine Medienerziehung mit zwei Schwerpunkten: Sie muss zum einen jene Kompetenz für den aktiven Umgang mit Medien und neuen Technologien stärken, zum anderen jene für die kritische Reflexion darüber

 

  1. Der „dritte Pädagoge“: neu gestaltete und erweiterte Lernumgebungen

Die Kolping Pädagogik legt besonderen Wert auf eine gestaltete Lernumgebung. Sie wirkt motivierend, befördert individuelles Lernverhalten und soziale Interaktion in der Ko-Konstruktion. Die räumliche Umgebung beeinflusst als „dritter Pädagoge“ Bildungsprozesse in vielfältiger Weise – ist Erfahrungs-, Entdeckungs- und Handlungsraum, ist Begegnungs-, Rückzugs- und Gestaltungsraum, ist Innen- wie Außenraum, ist real und virtuell.

 

  1. Konsistenz in der individuellen Bildungsbiographie – für lebenslanges Lernen ohne Brüche.

Die Kolping Pädagogik steht für eine Bildungskonzeption ohne Brüche. Ziel dabei ist es, die Belastungen bei Übergängen – in andere Bildungseinrichtungen, in neue Entwicklungsstufen wie die Pubertät – nicht allein den Kindern, Lehrern oder der Familie aufzubürden. Hierfür ist eine Konsistenz im Bildungssystem notwendig: in der theoretischen Fundierung des Bildungsverlaufs, in den Prinzipien pädagogischen Handelns und in den Bildungszielen. Konsistenz ist daher auch im didaktisch-methodischen Ansatz und in der Organisation der Bildungsprozesse erforderlich.

Die Idee von Adolph Kolping war die Förderung des ganzen Menschen im Lebensverlauf durch Bildung und Persönlichkeitsentfaltung. Er wollte sozialen Wandel durch eine positive Veränderung des Einzelnen.

 

 

Das Kolping-Bildungswerk Württemberg e.V. ist seit dem Jahr 2013 Träger von Kindertageseinrichtungen und kann damit auch einen Beitrag zum Ausbau der Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren leisten. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch bedarfsgerechte Angebote zu unterstützen ist dabei Leitgedanke. Uns ist es ein besonderes Anliegen, den sozialen Herausforderungen einer Großstadt wie Stuttgart, insbesondere in den Innenstadtlagen, mit bedarfsgerechten und qualitativ stimmigen Angeboten zu begegnen. Hierbei bauen wir auf die hohe Fachlichkeit und das wertegebundene Leitbild des Kolping-Bildungswerkes auf und entwickeln in enger Abstimmung mit dem Jugendamt und weiteren Partnern entsprechende Angebote. Aufbauend auf der Kolping-Philosophie wurde ein pädagogisches Konzept für die speziellen Anforderungen für die Arbeit mit Kindern entwickelt.